Freitag, 28. Oktober 2016

Das Fest des Lebens - #2 - Die Helden

Denn auch die Schüler der Jesus-Tradition werden dabeisein, sie, die diesen so speziellen und herausfordernden Weg gewählt haben. Es ist ja eigenartigerweise so, dass die Kirche erst einmal eine gesamte gewachsene und intakte Natur-Kultur-Sphäre kaputt macht, nivelliert und eliminiert, bis nur noch ein Steingarten oder Steinhaufen übrig bleibt, um danach das In-die-Welt-geworfen-Sein der verbannten Kinder Evas zu beklagen.

Vergessen wir nicht: Man kann das auch anders machen, Freunde! Die Erde ist ein Ort großer Schönheit und großen Glücks, „Das Paradies ist hier auf Erden für alle Wesen, die im Kreis der Mutter stehen“, wie ein weiser Mann aus einer brasilianischen Tradition heraus gesagt hat. Diejenigen, von denen wir dies zu lernen vermögen, sind weder auf Kanzeln noch an Kathedern zu finden.

Es sind die Helden des Waldes, diejenigen, die noch wissen, wie es ist, in Einklang und Harmonie mit Mutter Natur zu leben. Und die sich mit Leib und Leben den Bulldozern der Vernichtung - das heisst, der Verneinung - in den Weg stellen, aus einem inneren Ja heraus: Nackt, aufrecht und stark.

Das Fest des Lebens - #1 - wir feiern zusammen

Kennt Ihr so etwas? Was ist das bloß für ein Party, auf der der Gastgeber sich beleidigt in sein Zimmer zurückzieht, weil die Gäste sozusagen ihr eigenes Fest feiern? Mit Spielen und Tänzen, die er nicht kennt, darum einschnappt und - ward nicht mehr gesehen? Ein trauriger Abend, irgendwie verpeilt und aneinander vorbei…

Natürlich kann man drauf pfeifen und sagen, nun gut, wenn die Hauptperson des Abends so eine beleidigte Leberwurst ist, selber schuld, feiern wir eben trotzdem und erst recht. Andererseits - wenn man daran interessiert ist, sich’s nicht völlig verscherzen mit dem Gastgeber, ist es vielleicht auch nicht verkehrt, zu schauen, wie man ihn wieder aus der Reserve, aus dem Rückzug locken kann - um gemeinsam weiterzumachen. „Wir feiern zusammen, keiner bleibt allein“ und so weiter, wie das in meiner Jugend noch eine Idealvorstellung war, etwas, wofür wir lebten und kämpften…

Also, nun, schaut mal her: Darum sing ich, in Gesellschaft mit der Landschaft, mit der urbanen Sphäre, mit den Menschen, den Tieren, den Bäumen, die mich umgeben: Odin, große Kraft, Freya, große Kraft, bleibt in unserm Kreis! Das heisst also, ich bitte nicht nur bestimmte Personen, „bei uns“ zu bleiben, wo auch immer das ist, sondern sogar die Götter, die großen Kräfte, denn wenn die es sind, die sich zurückziehen, dann bleibt den Menschen auch nicht mehr viel übrig. Wenn aber Odin und Freya und die ihnen zugehörenden Gott- und Wesenheiten „bei uns“ bleiben - dann können wir wirklich ein Fest feiern, ein Fest mit allen: Eine große multikulturelle Party. Und keiner bleibt allein.

Haha. Jetzt fragt bestimmt gleich jemand: Ja, naja, schön und gut, aber was soll das überhaupt mit diesem Fest? Das Leben, die Wirklichkeit ist doch keine Party! Da geht es doch um den Ernst der gesellschaftlichen Engpässe wie der ganzen Weltlage und so weiter. Da erwidere ich: Weit gefehlt, Freunde! Das Leben ist ein Fest, in jeder Minute und in jeder Jahreszeit, in Not und in Fülle, im Krieg und im Frieden. Jeden Tag haben wir Grund zu feiern: Dass wir noch da sind, noch nicht zurückbeordert wurden in die Sternensphäre, aus der wir kamen, weil wir eben noch nicht von einer Granate zerfetzt wurden, in einer Massenkarambolage, einem Flugzeugabsturz, einem Sprengstoffanschlag, einem Krebsleiden, einer tödlichen Epidemie erlegen sind. Sondern wie durch ein - beinahe immerwährendes - Wunder Tag für Tag beschützt wurden.

Dass wir hier auf Erden immer noch zu tun haben, Freunde, das ist tatsächlich ein Grund zu feiern! Und es wird ein prächtiges, profundes Fest sein, eines, bei der wir natürlich auch - und mit großer und gelassener Selbstverständlichkeit derer gedenken und uns ihnen verbinden, die abberufen wurden und eben nicht mehr dabeisind, ohne dass wir Trübsal blasen. Sondern wir trauern und gewinnen das Vertrauen zurück, dass es ein Gutes geben kann, und es wird ein Fest des Lachens und der Tränen werden, ein großer Tanz der Lebendigkeit, ein Dank, ein Ja, das in die Luft steigt, um den Erdball klingt… Und übrigens: Halleluja und Venceremos, das sind nur zwei verschiedene Dialekte des Ja zum Leben, es ist eins, weil gleichermaßen geboren aus der Liebe zum Leben und zu unserer großen Mutter Erde.

Das Feiern - das ist die Betriebstemperatur, die wir benötigen, um in Würde zu leben und Mensch zu sein und doch ist’s kein Tanz auf dem Vulkan, kein sich selber seelenvergessen zerschüttelndes Headbanging - es ist ein Fest der Präsenz, der Achtsamkeit, der Verwirklichung, vollendete Wachheit nach dem Erwachen aus der Depression einer Unmündigkeit.

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