An einem kalten Märznachmittag des Jahres 2021
kam es mir in den Sinn, das Folgende niederzuschreiben:
Manchmal wird mir bewusst, wie nah wir, Menschen in Deutschland und auf der ganzen Welt, uns am Leid unserer Vorfahren befinden. Es scheint, als stünde uns all diese Erlebnisse, die sie erleiden hatten, unmittelbar bevor:
Hunger Angst Kälte
Flucht Vertreibung Zwangsmigration
Trennung Tod Verzweiflung
Geht es Euch auch zuweilen so?
Warum scheint es so? Geht es vielen Menschen so? Und wenn es so ist - warum ist es so?
Ist es, weil wir uns in Anbetracht der Schreckens des 20. Jahrhunderts zu wenig verändert haben? In die verkehrte Richtung gegangen sind? Will die große unbekannte Macht, die alles führt und nährt uns lehren, dass wir noch zu viel zu sehen, zu erkennen, zu verstehen haben, bevor wir weiter vorangehen können, hin in eine friedliche, empathische Zukunft?
(Spätestens hier scheint es notwendig, die Person des „wir“ zu überdenken. Unsere Grammatik hat zu wenig Möglichkeiten, um es eindeutig darzustellen. Allerdings i s t es auch nicht eindeutig - es ist etwas zwischen „ich“ und „wir“. Näher am „ich“. wenn es um die Verantwortung geht, näher am „wir“, wenn es um die Schicksalshaftigkeit geht. Für das, was mit diesen Worten ausgedrückt sein will, scheint das „wir“ besser geeignet. Es ist eher eine sprachmusikalische Frage. Es sei mit der Verwendung des „wir“ weder moralischer Vorwurf noch Belehrung gemeint.)
Können wir es anders deuten? Ist es einfach eine Gesetzmäßigkeit? Das Rad der Geschichte, dass sich stetig weiterdreht und mit zunehmender Geschwindigkeit zu rotieren scheint? Erbarmungslos, frei von Sinn und ohne Gnade?
Oder aber - ist es eine Geste des großen universellen Motors, eine Weisung dessen, der alles steuert, sofern es ihn gibt? Und, falls es ihn gibt: Will er uns auf die Probe stellen? Es selbst wissen und es uns selbst wissen lassen, ob wir bereit sind aufzustehen gegen das Unerträgliche, das sich im Laufe der Jahrhunderte von Herrrschaft, Gier und Ausbeutung in der Menschenwelt angesammelt und stets verschlimmert hat, allen scheinbaren Errungenschaften unserer Zeit und der Zeit unserer Vorfahren zum Trotz?
Können wir uns besinnen und erkennen, was das Wesen unserer Zeit ist? Und erahnen, welche Chance vor uns liegt - genauso unmittelbar wie der drohende Schrecken?
Wollen wir diese Chance nutzen? Aufstehen, im Einklang mit Mutter Erde und Vater Himmel, unseren Großen Eltern, die unabhängig von jeder Religion und Weltanschauung unsere Heimatwelt oder Weltenheimat bilden, verbunden mit dem innersten Wesen unseres Seins, und - m i t d e r W e l t b e g i n n e n ?