Gott ein Beamter
Gott ein amtlicher Vormund
Gott ein Beauftragter
Gott ein Beaufsichtiger
Gott ein Jugendschutzbeauftragter…
Gott ein amtlicher Vormund
Gott ein Beauftragter
Gott ein Beaufsichtiger
Gott ein Jugendschutzbeauftragter…
Zwischenruf:
„Moment mal: Jugendschutz? Diese seltsame theologische Litanei mutet mir ohnehin etwas hanebüchen an, aber was hat nun der Jugendschutz hier zu suchen?“
Und ich versuche zu antworten:
„Wenn ich von Gott reden höre, zumal in unserer weitgehend gottfreien Sphäre, dann steigt in mir tatsächlich zuweilen die Vorstellung eines Staatsdieners oder obersten Verwalters auf. Zu leidenschaftslos und eigentlich uninteressiert klingen die Gedanken sogar derer, die vorgeben ihn zu verehren. Die dem Justizwesen entlehnten Floskeln, die ein Jurastudent namens Martin Luther noch herumgeklebt hat, tun ihr übriges und führen zugleich ins gedankliche Zentrum des Zwischenrufes. Denn: Offensichtlich sind wir so etwas wie Kinder - jedenfalls kommen wir mit jeder Geburt in eine Welt, in der schon etwas ist, nämlich etwas Unermessliches, was uns beherbergt. Oder bedroht.
Nun ist es im Allgemeinen nicht allzu schwierig, den Jugendschutz einzuschalten… Die Sorge für die Kinder (sogar für solche wie uns) steht anscheinend hoch im Kurs. Da drängt sich doch aber die Frage auf: Hat man unsere leiblich-geistigen Eltern denn als inkompetent eingestuft? Als überfordert mit unserer Aufzucht und Hege? Als Outcasts, sozial Gescheiterte, als Existenzen mithin, deren Erziehungsauftrag man lieber einem externen Beauftragten übereignet?
Dieser Vormund heißt in Mitteleuropa, glaube ich, Gott. In welchen Teilen der Welt das noch so ist, wage ich nicht zu vermuten. Dieser abendländische Verwalter wurde jedenfalls eingesetzt, um unsere geliebten seelisch-geistigen-leiblichen Eltern zu entmündigen, ihnen den Erziehungsauftrag zu entreißen und mit ihm eine ganze Armee von Bürokraten, Schergen und Helfershelfern.“
Mutter Erde und Vater Himmel, wie muss das für Euch sein? Uns in den Händen dieser dreckigen Verwalter zu sehen, zu denen wir keinen Bezug haben, so wenig, wie sie zu uns?
Wie war es für Euch, mitzuerleben, wie uns gewaltsam ausgetrieben wurde, Euch als unsere Eltern zu lieben und zu verehren, unter Folter, Mordandrohung, ungezählten Toten?
Wie habt Ihr es ausgehalten, diese Massaker mitansehen zu müssen und dabei doch zu wissen, dass wir es sind, Eure Kinder, denen sie angetan wurden?
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